Freitag, Februar 01, 2008
1 Monat Unruhen
hergestellt.
Es kloppen sich vor allem Kikuyu und Luos. Kikuyu bilden die Mehrheit in Gegenden um Nairobi, Luos siedeln überwiegend im Westen des Landes. Gewalttätige hielten z.B. Busse an und konnten anhand von Ausweisen den Namen der Reisenden herausbekommen. Mit dem Namen konnten sie auf die Stammeszugehörigkeit schließen und verprügelten gezielt auch bis
zum Tod den jeweils anderen Stamm. Ähnliche Szenarien führten vor allem in Slums zu Massakern.
In der Zwischenzeit gab es 250.000 Flüchtlinge. In Nairobi entstanden Kikuyu-Flüchtlingslager mit Kikuyus aus dem Westen und im Westen entstanden Luo-Lager. Zuflucht fanden die Menschen auch in Polizeistationen und Kirchen. Hunderte belagerten so tagelang diese Zufluchtsorte und warten seither vergeblich auf eine Verbesserung der Situation.
Denn die Gewalttaten halten an. Inzwischen hat es also herzlich wenig mit den Wahlen zu tun. Diese dienten wohl nur als Ventil für den jahrelang aufgebauten Hass zwischen den Stämmen.
Es sind vor allem junge arbeitslose Männer, die aufgrund ihrer Armut wenig Perspektiven für ihr eigenes Leben besitzen und sich daher derart aufführen können. Die Polizei ist zur Zeit auf dem Land unterbesetzt, so dass sie kaum etwas der Gewalt entgegen setzen können.
Die Presse gibt täglich höhere Todeszahlen an. Heute werden sie seit Beginn der Unruhen auf 850 beziffert. Fragwürdig ist allerdings, wie diese Zahlen ermittelt werden, weil die Statistik in dieser Situation noch schlechter funktioniert als sonst.
Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die wenigen Unruhestifter besinnen und der Frieden in Kenia wieder einkehren kann.
Dienstag, Januar 29, 2008
im Krisengebiet Kenia?
Das Wochenende habe ich mit Marlies in Mombasa an der Küste verbracht. Es war sehr schoen. Wir haben eine schoene Zeit verbracht, doch das ganze hatte einen bitteren Beigeschmack.
Der Strand war leer. An Diani Beach, an dem sich sonst die zahllosen meist krebsroten Pauschaltouristen tummeln, laufen vereinzelt Weisse herum und uebriggebliebene Beachboys. But there is no Business. Etliche Touristen haben umgebucht und landen derweil in anderen Touristenhochburgen. Fuer viele ist es ja kein Unterschied welche Nationalitaet die Palme hat, unter der sie liegen. Die Mutigen, die sich in das Krisengebiet getraut haben, sind oft Touristen, die jaehrlich hier anreisen und die Situation einschaetzen konnten. In der hiesigen Presse war zu lesen, dass aufgrund der nun einmonatigen Unruhen 180.000 Hotelangestellte entlassen werden mussten, etliche Hotels geschlossen und Charterflüge aus England und Südafrika gestrichen wurden. Es wird sich zeigen, welche Reaktion auf die ploetzliche Arbeitslosigkeit dieser Massen folgen wird. Wie gesagt, bisher konnte man rein aeusserlich - bis auf die leeren Straende - keinen Unterschied feststellen.
Seit gestern bin ich nun in Nairobi. Auch hier sieht man keine Veraenderungen. Doch die Nachrichten rütteln einen immer wieder wach, dass doch etwas anders ist als zuvor. Seit dem Wochenende sind die Unruhen auch in Nakuru und Naivasha aufgeflammt. Ueber diese Staedte laeuft sonst der touristische Verkehr zu den Nationalparks. Muss los...
Mittwoch, Dezember 27, 2006
abschließende Zusammenfassung
Absolvierung des Chirurgietertials des Praktischen Jahres
am Kenyatta National Hospitals im Rahmen meines Medizinstudiums
Das Kenyatta National Hospital (KNH) ist mit der Gründung in 1901 das älteste Krankenhaus Kenias (http://www.health.go.ke/knh.htm). Heute fasst es mit seinen 8 Stationsstockwerken mit jeweils vier Stationen a 60 bis 80 Betten ca. 1800 Betten, wobei die Patientenzahl beliebig nach oben gesteigert werden kann, durch z.B. die gleichzeitige doppelte Verwendung eines Bettes. Im Vergleich zu den Normalbetten gibt es allerdings nur 22 Intensivbetten. Als Krankenhaus mit europäischem Standard müssten bei der Bettenzahl 100 Intensivbetten zur Verfügung stehen. Diese Zahlen machen den Unterschied zu den privaten Krankenhäusern in der Stadt Nairobi deutlich, die vergleichbar ausgestattet sind wie europäische Krankenhäuser.
Dadurch, dass das KNH öffentlich ist und nicht privat, kommt auch nur ein bestimmtes Patientenklientel hier zur Behandlung. Es sind meist Menschen aus der ärmeren Bevölkerungsschicht ohne Krankenversicherung. Das KNH ist das Referenzkrankenhaus in Kenia, die letzte Anlaufstelle bei komplizierten Fällen. Es gibt ein Computertomogramm von 1993, Röntgengeräte und auch Ultraschallgeräte doch die Kosten für die Untersuchungen müssen die Patienten selbst tragen. Der Arzt ordnet eine Untersuchung an, anschließend sammeln die Verwandten Geld. Es vergeht Zeit. Das Geld kommt evtl. zusammen. Die Wartezeiten für den Arzt, für die Kasse und wieder für den Arzt summieren sich, der Zustand des Patienten verschlimmert sich. Diese Schilderungen zeigen ein großes Manko auf. Ohne Krankenversicherung ist in einem Land ohne Geld die Hilfe sehr schwierig und kommt verspätet an. Doch auch im KNH gibt es einen privaten Flügel, in dem Patienten eine schnelle und gute Versorgung erfahren. Meist nur für diese wenigen Patienten mit Versicherung stehen die wenigen Intensivbetten zur Verfügung. Diese hochwertige Intensivmedizin kann sich kaum jemand leisten, wenn er aus eigener Tasche bezahlen muss.
Vom 21.8. bis 8.12.2006 bin ich in den unterschiedlichen Einheiten der chirurgischen Abteilung des Kenyatta National Hospitals in Nairobi rotiert und habe dort gearbeitet, vergleichbar wie die kenianischen MedizinstudentInnen im letzten Jahr ihrer Ausbildung. Zu Beginn meines Aufenthalts nahm ich an den Visiten auf einer allgemeinchirurgischen Station teil und assistierte bei unterschiedlichen Operationen und bekam so auch einen Einblick in die organisatorischen Abläufe in diesem größten und auch öffentlichen Krankenhaus Kenias. Im OP war vieles mit Warten verbunden. Einmal fehlte der Anästhesist, das nächste Mal der Operateur und das in einem Operationssaal für Notfälle. Es gibt immer Listen für geplante Eingriffe und Listen für Notfalleingriffe. Da für die Notfalleingriffe nur zwei Operationssäle zur Verfügung stehen, müssen die einzelnen Abteilungen sich die Säle teilen. Wer zuerst seine OP-Liste abgibt, operiert meist auch zuerst (es sei denn es sind wirklich ganz akute Notfälle). Wenn nun also wegen fehlender Abstimmung zwischen dem Personal der OP für zwei Stunden leer steht, kann es für alle Patienten, die an diesem Tag dringend eine OP benötigen, zum Verhängnis werden.
An die Arbeit auf der allgemeinchirurgischen Abteilung schlossen sich einige Wochen auf der Neurochirurgie, in der Ambulanz und auf Intensivstation an.
In der Neurochirurgie bekam ich die Möglichkeit Teile von Operationen unter Anleitung selbst durchzuführen. Auf Station habe ich vergeblich versucht, die Patientenakten im Aktenschrank zu sortieren. Um eine bestimmte Akte zu finden, bedarf es weiterhin der kompletten Durchsicht des Schranks, da keine Sortierung vorliegt. Ich hatte versucht mit Schildern darauf hinzuwirken, dass Akten eines Zimmers immer nur in einem Bereich des Schranks abgelegt werden. Trotz Abstimmung mit dem Personal und Befürwortung des Personals war die Sortierung am nächsten Tag wieder aufgehoben. Auch andere Dinge außer den Akten waren erschwert aufzufinden und verlangsamten so die einfachsten Prozesse im Alltag eines Mediziners.
In der Ambulanz konnte ich viele Erfahrungen sammeln, indem ich viele Fälle gesehen habe. Neben der Begleitung von Ärzten konnte ich auch selbst Befragungen in Englisch und Suaheli durchführen und anschließend der Ärztin oder dem Arzt vorstellen.
Auf Intensivstation bekam ich die Möglichkeit, praktische Fähigkeit beim Anlegen z.B. von zentralen Venenkathetern zu erlernen.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich während des Aufenthaltes einige Erfahrungen gesammelt habe, die ich in dieser Art und Weise nicht in Deutschland erfahren hätte. Alleine die unterschiedliche Herangehensweise im Krankenhaus aufgrund einer anderen Kultur hat mir die deutsche Kultur deutlich gemacht und auch näher gebracht. Schwer fällt es mir, diese andere Kultur in der Medizin zu akzeptieren, da sie z.T. auf Kosten der Patienten geht.
Bei der Frage, was ich wie verändern würde: Im Moment kann ich noch nicht sehen, an welcher Stelle ich im Kenyatta National Hospital zu einer Verbesserung des Status quo beitragen könnte. Unterstützenswert würde ich die Idee finden, Krankenversicherungen in Kenia zu etablieren, auch wenn dies die wirtschaftliche Lage der meisten Menschen nach wie vor nicht zulässt.
Samstag, Dezember 02, 2006
auf nach Lamu...

Der Bus über Nacht Richtung Mombasa war noch in Ordnung. Die Straßen waren zumindest teilweise annähernd asphaltiert und eine Mitnahme erforderte einen freien Sitzplatz. Ganz anders die Fahrt von Mombasa zur Fähre. Nach fünfminütigem Aufenthalt in Mombasa hatten wir glücklicherweise zwei Bustickets bei einer uns unbekannten Busgesellschaft ergattert und sind sozusagen dem fahrenden Bus aufgesprungen. Anfangs war alles in Ordnung nur nach ca. drei Stunden – als wir in abgelegenen Regionen zum einzigen Verkehrsmittel wurden – wurde trotz regelmäßiger Polizeikontrollen auch der Gang vom Bus mit Passagieren gefüllt. Immer mehr, immer enger und immer kuriosere Gepäckstücke. Highlight dieser Fahrt waren drei Plastikschüsseln jeweils mit ca. sechs Hühnern voll gestopft. Selbst einheimische Mitfahrer schreckten auf, als sich ein Huhn entschied auszubüchsen.
Die Straße war schlecht vor allem wegen des vielen Regens zurzeit. Rote Schlammpiste, 8 Stunden lang…
Nach insgesamt 20 Stunden ermüdender Fahrt sind wir endlich auf einer Personenfähre Richtung Lamu gelandet. Wir wunderten uns, dass wir die einzigen Weißen/Wazungu auf der Fähre waren. An diesem Wochenende sollte nämlich das Kulturfestival auf Lamu stattfinden.


Angekommen ohne gebuchtes Hotelzimmer fanden wir nach einiger Zeit ein wunderschönes Hotel mit einem Swimming Pool im Innenhof und mehreren Häusern und Terrassen, die nur über viele verwinkelte Treppen zu erreichen waren. Nachdem noch der Preis um 70% reduziert werden konnte, war alles perfekt.